Addis Alem

Addis saß in einem Flugzeug und dieses Flugzeug flog über die Sahara - endlose Weite wohin das Auge reichte, nur Sand, Sand, Sand überall. Es war faszinierend. Niemals hatte Addis so etwas gesehen. Er hatte Glück gehabt, und einen Platz am Fenster erwischt. Addis hatte seine Ruhe. Nur ab und zu kam die Stewardess vorbei, lächelte ihn freundlich an und fragte ihn, ob er noch etwas wollte. Er war satt, denn seine Mutter hatte ihm zum Abschied sein Lieblingsessen gekocht: Injera mit Doro Wott; und davon hatte er so viel gegessen, dass er fast geplatzt wäre.

Seine Mutter - ein klein wenig vermisste er sie schon, obwohl er erst wenige Stunden von zu Hause weg war. Sie hatte schrecklich traurig geschaut, als ihn sein Bruder mit dem blauen Taxi an den Flughafen fuhr. Ein Mitarbeiter der Ethiopian Airlines, der einzigen Fluggesellschaft Äthiopiens, hatte ihn am Eingangstor abgeholt und ihn in das Flughafengebäude geführt. Dort musste er sein Flugticket und seinen Pass abgeben. Nach einiger Zeit bekam er eine kleine Karte und seinen Pass zurück, und der Mitarbeiter mit Namen Michael hängte ihm ein Schild mit englischen Buchstaben darauf um den Hals. Da Addis nun schon einige Jahre englisch gelernt hatte, konnte er bald folgendes entziffern: Flug 873 nach Berlin, Germany. Als er aus dem Fenster des Warteraums schaute, und seiner Mutter ein letztes Mal zuwinkte (auch seine Geschwister standen dabei und alle winkten ihm zum Abschied), glaubte er, ein paar Tränen in ihrem Gesicht zu sehen. Aber es hätte auch der Regen sein können, der wie immer im Winter furchtbar niederprasselte.

Wie würde es werden, in Europa, in Deutschland, in dem Land, in dem der Bruder seiner Mutter, Addis Onkel, schon viele Jahre wohnte? Ein halbes Jahr würde er dort bleiben...

So geht`s weiter: 

Hallo, drück mich und ich helfe Dir !

 

©  by Sandra Ebermann; 2000-2002

Kontakt/ Email: webmaster@sandraebermann.de